Über Playcore
Mit fünfzehn stand zum ersten Mal ein eigener Rechner in meinem Zimmer. Kein geteilter Familien-PC im Wohnzimmer, sondern einer, der nur mir gehörte – und damit auch die Stunden, die an ihm vergingen.
Ich fing mit Counter-Strike an. Schnelle Runden, klare Regeln, ein Schuss, der saß oder nicht. Ich dachte, das sei Gaming: Reflexe, Wettkampf, gewinnen oder verlieren, und danach macht man den Rechner aus.
Dann erzählte mir ein Freund von einem Spiel namens World of Warcraft. Es koste Geld. Jeden Monat. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Gedanken: Wer spielt denn sowas? Wer zahlt dafür, dass er überhaupt spielen darf? Ich kannte nur Shooter, in denen man nach zehn Minuten weiterzog. Ein Spiel, das einen halten wollte, ergab für mich keinen Sinn.
Dann hat es mich gehalten.
Es war nicht der eine Moment. Es war die Welt, die nicht aufhörte zu existieren, wenn ich ausgeschaltet habe. Die Leute, die ich am nächsten Abend wiedertraf. Das leise Gefühl, irgendwo erwartet zu werden.
Ich bin geblieben – durch jedes Addon, jede Version, jede neue Modifikation, die sie sich ausgedacht haben. Classic, Season of Discovery, all die Versuche, ein Gefühl zurückzuholen, das es eigentlich längst gab. Zwischendurch habe ich anderes ausprobiert, immer wieder, neue Spiele, neue Welten. Und bin immer wieder zurückgekommen. Nicht, weil World of Warcraft das beste Spiel war, das es je gab. Sondern weil dort etwas auf mich wartete, das ich anderswo nicht mehr gefunden habe.
Heute bin ich älter. Das Zimmer von damals gibt es nicht mehr. Die Freunde von damals sind verstreut, manche habe ich aus den Augen verloren, ohne dass es einen Abschied gegeben hätte. Die Abende sind kürzer geworden, die Pflichten mehr. Ich spiele noch – aber anders. Leiser. Öfter allein.
Und manchmal, mitten in einer dieser ruhigen späten Stunden, überkommt mich etwas, das schwer in Worte zu fassen ist. Keine Sehnsucht nach dem Spiel selbst. Eher nach dem, was ich damals dabei war.
Vielleicht kennst du das. Vielleicht sitzt du gerade da und denkst an deine eigene Gilde, dein eigenes Zimmer, deine eigenen durchgespielten Nächte. Vielleicht hast du auch dieses Gefühl, dass an Gaming früher etwas anders war – und ahnst längst, dass dieses Etwas mit dir selbst zu tun hat und nicht mit Grafik, Servern oder Patches.
Genau dafür ist Playcore da.
An der Oberfläche geht es hier um World of Warcraft. Aber eigentlich geht es um uns. Um die, die mit diesen Welten groß geworden sind und heute zurückblicken – auf eine Zeit, in der wir mehr Freunde, mehr Stunden und vielleicht mehr von uns selbst hatten.
Ich schreibe keine Guides. Ich gebe nicht dem Spiel die Schuld, und ich male auch nichts schöner, als es war. Ich versuche nur, das auszusprechen, was viele von uns fühlen und selten in Worte fassen.
Ich bin Jahrgang 1987. Ich habe dieselbe Zeit erlebt wie du, dieselben Welten, dieselben Abende – und dasselbe leise Vermissen. Ich rede hier nicht von oben herab über eine Generation von Spielern. Ich gehöre dazu.
Wenn du bis hierhin gelesen hast, gehörst du wahrscheinlich auch dazu.
Schön, dass du da bist. Bleib ruhig eine Weile.