Warum du niemandem davon erzählst

Du kennst diesen Moment. Schritte im Flur, eine Tür geht auf, und noch bevor du weißt, wer es ist, hast du Alt-Tab gedrückt. Reflexartig, ohne nachzudenken. Als hättest du etwas getan, das du erklären müsstest.

Dabei hast du nur gespielt.

Im Büro sagt jemand: Was hast du am Wochenende gemacht? Und du sagst: Nicht viel. Bisschen was geschaut. Obwohl du acht Stunden in Azeroth warst und es die beste Zeit der Woche war. Obwohl du dich gefühlt hast wie damals, als noch alles einfach war.

Du sagst es nicht, weil du weißt, wie es klingt. Weil du die Blicke kennst. Weil es einfacher ist, nichts zu sagen, als zu erklären, warum ein dreißigjähriger Erwachsener immer noch ein Spiel spielt, das er mit sechzehn angefangen hat.

Es ist nicht Scham. Nicht wirklich. Es ist eher die Erschöpfung, die kommt, wenn man etwas erklären muss, das sich nur von innen verstehen lässt. Den Leuten, die es nicht kennen, fehlt nicht die Intelligenz. Ihnen fehlt der Raum, den dieses Spiel in dir eingenommen hat. Und den kann man nicht in einem Pausengespräch erklären.

Also schweigst du. Du spielst leise, du redest nicht darüber, du trennst dein Leben in zwei Hälften: die, die alle sehen, und die, die nur dir gehört.

Manchmal fragst du dich, ob die anderen auch so sind. Ob der Kollege gegenüber, der immer so aufgeräumt wirkt, abends auch irgendwo sitzt und sich fühlt wie sechzehn. Ob hinter all diesen erwachsenen Fassaden nicht viel mehr Menschen stecken, die nachts noch in Welten verschwinden, von denen sie am nächsten Morgen niemandem erzählen.

Wahrscheinlich schon. Wahrscheinlich sind wir mehr, als wir denken.

Wir reden nur nicht darüber. Und vielleicht ist das der Grund, warum sich das Spielen manchmal so einsam anfühlt – nicht, weil wir allein sind, sondern weil wir alle so tun, als wären wir die Einzigen.