Alleine spielen

Irgendwann hast du aufgehört, auf andere zu warten.

Nicht bewusst. Es gab keinen Abend, an dem du gesagt hast: Ab jetzt spiele ich allein. Es ist einfach passiert. Die Leute, mit denen du immer gespielt hast, waren immer seltener da. Die Raidzeiten passten nicht mehr. Die Gildenchats wurden stiller, die Freundesliste kürzer.

Und dann saßt du eines Abends da, allein in einem Spiel, das für zwanzig Leute gemacht wurde, und hast gemerkt, dass es sich trotzdem gut anfühlt.

Du bist durch Gebiete geritten, die du sonst nur im Galopp durchquert hast. Du hast angehalten, die Musik gehört, die Kamera gedreht. Du hast Quests gelesen, die du jahrelang weggeklickt hast. Du hast entdeckt, dass diese Welt auch dann existiert, wenn niemand zuschaut.

Alleine spielen fühlt sich nicht so an, wie du gedacht hättest. Es ist nicht traurig. Es ist nicht das, was übrig bleibt, wenn alles andere wegfällt. Es ist etwas Eigenes.

Es ist ruhig. Es ist langsam. Es gehört nur dir. Niemand sagt dir, wo du hinmusst, wie schnell, in welcher Reihenfolge. Du kannst stehenbleiben, wann du willst. Du kannst dich umdrehen. Du kannst den Rechner ausmachen und morgen weitermachen, genau an dieser Stelle, und niemand fragt, warum du gestern nicht da warst.

Natürlich vermisst du es manchmal. Die Stimmen im Teamspeak, das Chaos vor dem Pull, das Lachen nach dem Wipe. Das waren echte Momente, und sie fehlen.

Aber du hast aufgehört, so zu tun, als wäre das Alleine-Spielen die schlechtere Version. Es ist nicht weniger. Es ist anders. Es ist das, was passiert, wenn man älter wird und die Zeit knapper, und man sich entscheidet, sie trotzdem hier zu verbringen – in einer Welt, die nichts von einem verlangt, außer da zu sein.

Du spielst allein. Und das ist genug.